Miriam Balance

Trainier' mit deinem Körper, nicht gegen ihn.

Philosophie

Du und ich haben zumindest eines gemeinsam: Wir befinden uns in einem menschlichen Körper, schaffen uns in ihm ein Zuhause, solange wir leben, und erleben die Freude, den Schmerz und die Überraschung, die damit in jedem beliebigen Moment einhergehen.

Wenn ich unterrichte, möchte ich nicht nur mich daran erinnern, dass wir diese grundlegende Erfahrung teilen, sondern ich möchte auch dich daran erinnern, auf deinen Körper zu hören, ohne ihn zu verurteilen.

Es gibt ein paar wirklich wichtige Dinge, an die ich glaube, wenn ich trainiere und unterrichte, bestimmte Werte, wenn du so willst. Schau einmal, ob du dich mit ihnen anfreunden kannst.

Es hilft uns nicht, unseren Körper und unsere Bewegungsmuster (oder die von anderen) zu verurteilen.

Versuche stattdessen, von einem neutralen Standpunkt aus zu kritisieren, indem wir einfach aussagen, was wir sehen können (die Beine sind leicht gebeugt, die Schultern sind nicht engagiert, die Ellbogen sind blockiert, die Füße sind weder gebeugt noch gestreckt, usw.), anstatt negativ mit oder über einen Körper zu sprechen, was die Überzeugung verstärkt, dass wir (oder andere) einfach nicht stark/gut/jung/flexibel/was auch immer sonst genug sind.

Unser Körper wird zu dem, was wir ihm sagen, das er werden soll. Er entwickelt sich nicht nur entsprechend unseres Trainings, sondern auch entsprechend dem, was wir verinnerlichen.*

Werde dir bewusst und akzeptiere, wo auf deinem Weg du stehst.

Genau wie du das Navi im Auto nicht so einstellen würdest, dass es von einem Ort aus navigiert, an dem du dich nicht befindest, kannst du auch deinen Trainingsprozess nicht von dort aus beginnen, wo du vor einem Jahr warst oder wo du dich heute in einem Jahr siehst. Du kannst nicht einmal dort anfangen, wo du gestern warst!

Lebendig zu sein bedeutet ständige Veränderung und an manchen Tagen fühlen wir uns vielleicht müde und träge, an anderen motiviert und federlicht und an wieder anderen reizbar und instabil.

Gib dein Bestes, um zu akzeptieren, wo du stehst, auch wenn das bedeutet, dass du dich gestern stärker gefühlt hast oder früher einmal weiter fortgeschritten in deinem Training warst.

Uns vorzumachen, dass wir auf unserem Weg woanders stehen, als wir es wirklich tun, führt im besten Fall zu einem Trainingsplateau und im schlimmsten Fall zu Verletzungen.

Unser Körper wird uns immer daran erinnern, wo wir uns befinden: Wenn wir verletzt sind, sagt er es uns. Wenn wir bestimmte Schwächen haben, sagt er es uns. Wenn sich bestimmte Muskelgruppen in einem Ungleichgewicht befinden, sagt er es uns.

Wir können die Augen davor verschließen und metaphorisch immer wieder um denselben Block fahren, wenn uns das Navi sagt, dass wir nach rechts fahren sollen (leider war die Rechtskurve noch 2 km weit weg, weil wir nicht den richtigen Startpunkt eingegeben haben), oder wir können uns gleich damit befassen, um darüber hinauszuwachsen, auch wenn es uns vielleicht langweilig erscheint und wir das Gefühl haben, dass es unseren Trainingsprozess verlangsamt – ganz im Gegenteil!

Unser Körper erinnert sich. Alles, was er erlebt hat, kann sich auf unser Training, unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit auswirken.

Wissenschaftler haben schon lange herausgefunden, dass unser Körper sich an Traumata erinnert (sowohl physische als auch psychische Traumata): es verändert chemische Prozesse in unserem Gehirn, wirkt sich langfristig auf unser Immunsystem aus und kann uns anfälliger machen, wieder verletzt und/oder traumatisiert zu werden!

Es gibt immer mehr Beweise für die Verbindung zwischen Körper und Geist, und es wird weiterhin viel Forschung über die psychologischen Auswirkungen von körperlichen Traumata bei Sportlern sowie über die Auswirkungen von psychischen Traumata auf die körperliche Leistungsfähigkeit betrieben!

Manchmal sehen wir uns mit alten emotionalen Traumata konfrontiert, wenn wir neue körperliche Fähigkeiten erlernen. Es kann etwas so Einfaches sein, wie dass man einmal im Sportunterricht gedemütigt wurde und jetzt Angst hat, zu irgendeinem Gruppentraining zu gehen; es kann sich als tiefgreifende Angst vor dem Kopf-Unter-Sein manifestieren, auf eine körperlichen Verletzung zurückgehen, die wir einmal erlitten haben, oder plötzlich auftreten, wenn man Partnerdehnübungen macht.

Ignoriere dein Gefühl nicht. Werde dir seiner bewusst. Finde heraus, warum es da ist und was du tun kannst, damit es dich nicht zurückhält.

Auch hier gilt: Verurteile keine körperlichen Symptome dieses emotionalen Zustands – sie haben sich höchstwahrscheinlich einmal manifestiert, um dich zu beschützen. Unsere Körper sind ganz erstaunlich und tun alles, was sie können, um uns zu dienen und zu beschützen. Halten wir sie in Ehren!

Talent! Jung anfangen! Natürlich begabt/flexibel/dynamisch/stark sein! Ok, vielleicht ist es an sich keine Lüge, aber es wird ganz schön überbewertet.

Mein persönlicher Weg sowie meine jahrelange Arbeit als Trainerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben mich zu der Überzeugung geführt, dass die so weit verbreitete Idee von „Talent“ oder „angeborenem körperlichen Vorteil“ extrem überbewertet wird und die körperliche Entwicklung weitgehend von unseren Erfahrungen beeinflusst wird.

Ich habe Menschen kennengelernt, die ihre Handstand-Reise im Alter von etwa 50 Jahren begonnen haben und heute stärkere Handstandartisten sind als ich es bin.

Ich weiß, dass ich, als ich im Alter von 21 Jahren mit dem Zirkus begann, meine Zehen nicht mit ausgestreckten Beinen berühren konnte, und nicht einmal ein Jahr später begann ich mit der Arbeit an Oversplits (Spagat mit >180° Winkel zum Boden/zur Bezugsebene).

Bei Ultraläufern und Triathleten sind vergleichsweise späte Starts (bis weit in die dreißiger und vierziger Jahre) fast schon die Norm.

Sag bitte nicht „Das werde ich nie können“ oder seine ungläubige kleine Schwester „Na klar!“ (wenn du dir eine bestimmte Demonstration einer Übung ansiehst) – dein Körper hört zu. Gesteh dir ruhig ein, dass es ein langer Weg sein wird und einige Jahre dauern kann, um das zu erreichen, aber wenn du es wirklich zu deiner Priorität machst, kannst du es vielleicht schaffen.
Und ich? Ich werde mein Möglichstes tun, um dich auf dem Weg dorthin zu begleiten.

* Wenn du keine wissenschaftlichen Studien zu den von mir angesprochenen Punkten finden kannst, kannst du dich gerne an mich wenden und ich schicke dir eine Handvoll Studien zu dem Thema zu, das dich interessiert.